TIMO JAWORR

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Ein sehr schöner warmer Tag sei der 26. April 1986 gewesen, erinnert sich Tatjana Narkowa. Doch dann, plötzlich, schlug das Wetter um. „Wir haben gemerkt, dass es kalt wurde und ein Gewitter aufkam. Mein Vater und ich waren noch draußen, als es anfing zu regnen.“ Es regnete den ganzen Abend lang. Der Regen hatte sich in der Nacht und am Morgen über dem geborstenen Reaktor 4 in Tschernobyl mit radioaktiven Molekülen angereichert. „Damals wussten wir noch nichts von der Katastrophe“, erzählt Tatjana, „ich war erst Sechs, aber an diesen Tag erinnere ich mich heute noch genau.“
Seit diesem Abend ist der Kreis Bychow im Süden von Weißrussland radioaktiv verseucht. Als die Wolken den radioaktiven Regen durch Europa trugen, waren im Südosten Weißrusslands und den Grenzgebieten von Russland und der Ukraine bereits ganze Landstriche so stark verseucht, dass sie eigentlich hätten evakuiert werden müssen. Seitdem leben die Menschen mit den Folgen der Katastrophe – psychisch ist das möglich, die Bedrohung ist ja nicht sichtbar und die gesundheitlichen Folgen gehen zurück.
Seit 1991 hilft die Friedensinitiative aus Mörfelden-Walldorf dem Landkreis Bychow – durch Hilfstransporte und Geldspenden und durch die Unterstützung von Kuraufenthalten in Weißrussland und in Mörfelden-Walldorf.

Timo Jaworr (Fotos) und Oliver Heil (Text) haben im März 2011 Claire Linke von der Friedensinitiative auf einer Reise nach Bychow begleitet. Sie haben sich in der Stadt Bychow, in den umliegenden Dörfern, im Kinderkurdorf Nadeschda umgesehen – und dort, wo in der Nacht auf den 26. April 1986 alles begann: in der Gegend um das Kernkraftwerk Tschernobyl.