TIMO JAWORR

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Die schmale Straße, die von Magway aus in Richtung Süden führt, schlängelt sich durch eine hügelige, karge Landschaft. Nur wenige Bäume spenden Schatten vor der ungnädigen Sonne in einer der extrem trocken Regionen Myanmars. Kilometer für Kilometer das gleiche Bild bis plötzlich hinter einem Hügel die ersten Spitzen der Holzpfähle zu erkennen sind. Hunderte davon ragen drei, vier Meter hoch in den Himmel. Die mit grünen und roten Plastikplanen bedeckten Hütten bieten einen farbigen Kontrast in der sonst sandfarbenen Landschaft. Motoren und Kompressoren dröhnen laut.

Seit den Tagen der britischen Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts wird in der Region um die kleine Hafenstadt Magway nach dem weltweit begehrten schwarzen Gold gesucht: Öl. Mit traditionellen Methoden suchen die Glücksritter nach dem fossilen Bodenschatz. Mit langen Stahlrohren werden Löcher bis zu 250 Meter tief in die Erde gebohrt – eine Arbeit, die mehrere Wochen dauern kann. Ist das Loch tief genug, wird das Equipment für die Ölgewinnung aufgebaut. Ein paar Holzpfähle, eine Seilwinde oder bestenfalls Kompressoren, Plastikröhren, in denen das Rohmaterial aus der Tiefe geholt wird.

Noch vor einigen Monaten, erzählt Aung Mint Theint, der in Taigang nach Öl sucht, habe er schnell seine Fässer füllen können. Der 42-Jährige und seine Helfer konnten täglich drei Fässer (knapp 190 Liter) verkaufen und so 270000 Kyat (knapp 245 Euro) einnehmen. Nun scheint die Geld bringende schwarze Flüssigkeit auf seinem Areal aber langsam zu versiegen. „Jetzt sind es nur noch 18, 19 Liter am Tag“, sagt Aung Mint Theint. Aus Kostengründen musste er deshalb seine zwei Helfer entlassen und die Suche nach Öl ist nun eine Familienangelegenheit.

Um die ölreichen Felder südlich von Magway sind komplette Dörfer errichtet worden. Taigang, Dhatpin und Padaukpin sind aktuell drei „Öl-Dörfer“, in denen es ein Wirrwarr aus unzähligen Bambushütten, Tee-Shops und kleinen Läden gibt. In größeren Läden wird das passende Arbeitsmaterial angeboten. Für die Suche nach Öl ist eine offizielle Erlaubnis notwendig. Für einige Millionen Kyat pro Jahr (mehrere tausend Euro) erteilt der Landeigentümer die Erlaubnis zur Bohrung. Das zu Tage geförderte Öl müssen die Gruppen an das staatliche Unternehmen MGOE (Myanmar Gas and Oil Enterprise) verkaufen, das als Monopolist den Preis für die fossile Ressource bestimmt.