TIMO JAWORR

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Im Hochsicherheitsgefängnis „Centro penitenziario Secondigliano“ von Neapel züchten Gefangene biologisches Gemüse. Die ehemaligen Mafiosi aus Sizilien, Kalabrien oder Apulien haben gemordet, erpresst, mit Drogen gehandelt. Heute sitzen sie isoliert von anderen Inhaftieren bis zu ihrem Tod ein. Ihr Lebensraum ist eine 10,65 Quadratmeter große Einzelzelle im Sicherheitstrakt T1. Doch seit drei Jahren dürfen sie sechs Mal in der Woche raus aus dem Zellenblock und für dreieinhalb oder manchmal viereinhalb Stunden am Tag im selbst angelegten Gefängnisgarten arbeiten. „Im Garten geht es mir gut“, sagt Concetto B., seit 23 Jahren in Haft. Er kann es kaum abwarten, bis die Wächter ihn morgens um 8.30 Uhr aus der Zelle in den Garten lassen. Umrahmt von den hohen Mauern des Gefängnisses liegt die ein Hektar große landwirtschaftliche Fläche zwischen den Zellenblöcken. Tomaten, Zucchini, Auberginen, Zwiebeln, Paprika, Bohnen, Salat, Kürbis und anderen Produkte werden dort angebaut. Inzwischen wird das Gemüse auch verkauft: die Helfer der Genossenschaft „Liberiamo la speranza“ verkaufen ein Mal in der Woche an einem Stand vor dem Gefängnis und liefern Kisten aus.
Reportage in Zusammenarbeit mit Alessandro Alviani.