TIMO JAWORR

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Eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem Motorrad von Banfora - der mit zirka 50000 Einwohnern drittgrößten Stadt Burkina Fasos - aus über staubige Pisten und schmale Schleichwege in der Steppe. Dann ist man angekommen: am Camp der Glücksritter, das sich über ein Areal von mehreren Kilometern erstreckt. Tausende sind hier am Werk, jung und alt. Mit ihren Spitzhacken hauen sie bis zu zwölf Meter tiefe Löcher in den gelben, lehmigen Boden. Gekonnt verschwinden Leute in den Löchern, um nach dem Wertvollsten zu suchen, was die Region zu bieten hat - Gold. Auch wenn es nur wenige Gramm sind, die die Glücksritter zu Tage fördern, ist die Hoffnung auf einen großen Fund und den Geldsegen dennoch groß.

Komplette Familien kommen auf das Feld der Goldminen Mitten im Nirgendwo und nehmen die risikoreiche Arbeit in Kauf. Die Jungen sind meist auf schnelles Geld aus. Am Ende der anstrengenden Arbeit unter der unerbittlich heißen Sonne entscheidet immer die Waage des Zwischenhändlers über einen guten oder schlechten Tag. Meist ist es ein eher schlechter Tag. Denn den Reibach, von dem die Glücksritter träumen, machen andere: die lange Kette der Zwischenhändler, die Exporteure, die Börsianer und die Anleger, wenn sie sich nicht verspekulieren.

Der westafrikanische Staat Burkina Faso, dessen Fläche ungefähr um ein Viertel kleiner als Deutschland ist, in dem allerdings nur knapp 15 Millionen Einwohner (Burkinabé) leben, und der auf Position 161 im Ranking der 181 reichsten Staaten zu finden ist, ist nach offiziellen Angaben viertgrößter Goldproduzent in Afrika. Die Fördermenge von Rohstoffen wie Gold hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. 2009 lag der Wert schätzungsweise bei elf Tonnen. Sechs Goldminen gibt es Burkina, wo Unternehmen aus Kanada, Südafrika, Australien und Russland die Such- und Abbaugenehmigungen besitzen.
Das geschürfte Gold – wie in ganz Westafrika - hat einen geringeren Reinheitsgrad als etwa das aus südafrikanischen Minen.